Nicht immer hält Spielzeug auch das, was es auf den ersten Blick verspricht. Ich sehe genau hin!

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Freitag, 12. Dezember 2014

Frühförderung kann sinnvoll sein, muss aber nicht.

Im  Blog www.babykeks.de habe ich gelesen, dass sich Sabrina Gedanken über die Frühförderung macht. Sie lädt ihre Leserinnen ein, auch mal ihre Gedanken aufzuschreiben, ob man Frühförderung sinnvoll findet, oder eher nicht. Liebe Sabrina, hier kommen meine Gedanken:

Wie ich zu meiner Meinung gekommen bin:

Ich habe in einer Grundschule mal ein Kind erlebt, das von seinen Eltern von morgens bis abends vor dem Fernseher abgestellt wurde und vor der Einschulung nie einen Kindergarten besucht hat. Ja leider gibt es so etwas wirklich. Das Kind hatte bis zum ersten Schultag weder Schere, Stifte noch Kinderbücher in der Hand und hat auch nur wenig draußen gespielt. Auch warteten die Lehrer vergebens, dass sich dieses Kind von selbst für etwas begeisterte oder spontan Aktivität zeigte. Durch die Fürsorge der Lehrer lernte dieses Kind mühsam nach und nach die allereinfachsten Dinge, die andere Kinder bei der Einschulung schon entwickelt haben. Dieses Kind entwickelte natürlich vieles durch die gezielte Hilfe der Lehrer. Aber es hinkte immer deutlich hinter den Gleichaltrigen hinterher. Logisch, während es aufholen musste, eilten die anderen in der Entwicklung weiter. Dass das nicht gut für das Selbstbewusstsein dieses Kindes war, ist nicht schwer zu erraten.

Frühförderung ja oder nein?

Für mich ist seitdem klar: Kinder müssen vom ersten Tag an liebevoll gefördert werden. Von ganz alleine wird ein Mensch nicht in volle Blüte gehen. Kleine Menschen sind darauf angewiesen, dass die Menschen um es herum dafür sorgen, dass es Entdecken und Ausprobieren darf. Kinder müssen im wahrsten Sinne ihre Welt begreifen. Sie müssen dafür die Dinge anfassen und mit ihnen umgehen. Nur vom Zusehen wird weder Einsicht noch Fähigkeit vom Himmel fallen. Kinder müssen aktiv sein und auch mal gefordert werden und an ihre Grenzen gehen. Für mich stellt sich die Frage nicht, ob man Kinder fördern soll, sondern nur die Frage wie man sie fördern sollte.

Nie wieder lernen Kinder so wissensdurstig, wie in den Jahren vor der Einschulung. So lange Lernen freiwillig und ganz auf das Kind individuell abgestimmt ist, saugen die Kleinen mit unwahrscheinlicher Geschwindigkeit Wissen in sich auf und entwickeln so schnell wie selten später unheimlich viele Fähigkeiten.

Also wie jetzt?


Zur Frühförderung sage ich ganz klar ja! Dabei ist mir auch herzlich egal, welches Etikett auf dem Angebot steht. Also ob das nun direkt Förderung oder AG oder Kinderprogramm oder Kurs oder Kindertanz oder Musikalische Früherziehung oder wie auch immer genannt wird. Wichtig ist für mich, wie die Frühförderung umgesetzt wird. Damit steht und fällt für mich, ob ich einen Kurs in Anspruch nehmen würde. Da gibt es für mich einige Kriterien:

Die meiner Meinung nach beste Frühförderung ist:

Gemeinsam mit den Eltern, Geschwistern und sonstigen nahe stehenden Personen und Verwandten. Wenn Eltern etwas selbst gut können, sollten sie Vorbild sein und ihren Kindern vorleben, dass ihnen das Spaß macht. Einfach mal öfter mit den Kindern hinsetzen und gemeinsam musizieren und singen. Auch wenn man als Elternteil anfangs nicht so perfekt ist, kann man ja selbst Kurse nehmen und dem Kind zeigen, wie man selbst übt und lernt. Freude steckt an.

Dann kann man zu Hause auch vieles ausprobieren. Der Alltag steckt voller Abenteuer, man muss sie nur nutzen. Kinder können im Alltag so viel lernen! Experimente, Basteln, Handarbeiten, die Natur entdecken, Backen, Kochen, Werken, Gartenarbeit, im Haushalt helfen, Tiere versorgen, gemeinsam Sport machen und Toben, Bücher ansehen, gemeinsam Spiele spielen, Musizieren, gemeinsam Fernsehen und darüber reden, gemeinsam Computer spielen und und und. Kinder wachsen an altersgerechten Aufgaben und Pflichten.

Nur können Eltern leider nicht alles können. Dann ist der Zeitpunkt gekommen, dass externe Dienstleister ins Boot geholt werden müssen.

Meine Kriterien für Kurse von externen Personen:

  • Sandra sagt, ihr ist wichtig, dass der Pädagoge Ahnung von der Materie hat, die dort unterrichtet wird. Da bin ich mit Sandra einer Meinung. Dinge, die man erst mal falsch gelernt hat, lernt man nur schwer wieder um. Und Kinder lernen am Vorbild. Ich habe auch schon mal eine selbstständige Musikschullehrerin beobachten dürfen, die selbst nicht singen konnte. Da saß kein Ton bei ihr. Was die Kinder bei ihr lernten, war reinste Ohrenfolter. So etwas darf natürlich nicht sein. Ich lehne mich mal so weit aus dem Fenster und behaupte, dass diese Lehrkraft der musikalischen Entwicklung der Kinder sogar mehr geschadet als genützt hat. Daher würde ich bei der Auswahl eines Lehrers auch immer jemanden befragen, der sich mit der Materie auskennt, wenn ich davon keine Ahnung habe.

  • Aber Ahnung von dem Lehrstoff reicht mir nicht. Der Kursleiter muss auch Ahnung davon haben, wie man unterrichtet. Wie spricht man klar und eindeutig mit Kindern? Wie setzt man Grenzen? Wie viel kann man von Kindern in dem Alter erwarten? Wie veranstaltet man die Förderung so spielerisch, dass die Kinder motiviert mit machen? Ab welchen Alter der Teilnehmer kann man das Spielerische zurück fahren um nicht ins Kindtümeln zu verfallen?

  • Wichtig ist mir auch, dass die Chemie zwischen Kind und Lehrkraft stimmt. Kinder sind auch nur Menschen und kommen mit dem einen besser und mit dem anderen schlechter zurecht. Der Kursleiter mag für zig andere Kinder super sein. Wenn er aber nicht mit meinem Kind harmoniert und mein Kind sich da nicht wohl fühlt, dann würde ich immer versuchen zu wechseln.

  • Anbieter sollten immer auch eine Schnupperstunde anbieten. Gerade kleine Kinder können nur schwer theoretisch vorher überlegen, was ihnen gefallen würde. Ich finde es wichtig, damit das Kind mit entscheiden kann, dass es die Aktivität vorher getestet hat.

  • Die Kinder sollten vielleicht auch zwei oder drei Aktivitäten unverbindlich mal ausprobieren, bevor sie sich entscheiden. Erst wer vergleichen kann, kann sich wirklich entscheiden.

  • Die Eltern sollten auch mal zusehen können. Wie gehen die Leiter mit den Kinder um? Wie ist der Tonfall und die Lautstärke? Respektieren die Lehrkräfte auch körperliche Grenzen und die Privatspähre der Kinder? Wie wird mit Fehlern der Kinder umgegangen? Sind Fehler ein Weltuntergang oder werden sie als natürlicher Teil der Entwicklung mit Gelassenheit behandelt?

  • Wenn das Kind gewählt hat: Geht das Kind jede Woche mit Freude dort hin? Dann passt der Kurs. Oder sucht es tausend Ausreden, warum es keine Lust hat? Oder hat es sogar plötzlich häufig vor dem Kurs Bauchweh? Dann sollte man über einen Wechsel ernsthaft nachdenken.

Was ich völlig falsch finde:

Jegliche Art von Druck und Zwang bei Freizeitaktivitäten der Kinder. Das dient nicht den Kindern. Ein Beispiel: Ich hatte damals einen Mitschüler, der wurde von seinen Eltern geschlagen, damit er täglich mehrere Stunden Klavier spielt. Das passierte übrigens lange bevor Amy Chua ihr berüchtigtes Buch veröffentlichte. Die Eltern wollten nur das Beste für ihr Kind. Das Kind fügte sich und konnte wunderbar Klavier spielen. Es erzählte auch nie etwas über sein Schicksal zu Hause und wurde von allen als Wunderkind angehimmelt. Als dann der 18. Geburtstag da war verkündigte dieses nun erwachsen gewordene Kind, nie wieder ein Klavier anzurühren und nach dem Schulabschluss begann es einen Beruf zu lernen, der weiter nicht von der Musik hätte entfernt sein können. 

Ich weiß, das ist ein besonders drastischer Einzelfall. Aber irgendwann rächt es sich meist doch, wenn die Eltern ein Ehrgeizprogramm mit ihrem Kind durchziehen wollen. Die Förderung sollte also nie ein vernünftiges Maß überschreiten. Kinder sollen mit Freude und aus eigenem Antrieb lernen. Sie sollen auch Kind bleiben dürfen und ausreichend unverplante Freizeit haben dürfen. Einfach nur Spielen, das ist für Kinder unheimlich wertvoll. Und zeitlich verplant werden sie spätestens ab der Einschulung sowieso werden. 

Ist das freie Spielen nicht Zeitverschwendung?

Normalerweise nicht. Vorausgesetzt, die Kinder haben eine Umgebung, in der sie gut lernen können. Dazu gehört auch sinnvolles Spielzeug. Und liebevolle, fürsorgliche Menschen, die sich um seine Gefühle kümmern und einfach für das Kind da sind. In so einem Klima gedeihen gesunde Kinder auch dann, wenn man sie nicht mit dem Stundenplan eines Managers zwangsweise fördert.

Und was ist, wenn Kinder nach mehr Input verlangen?

Es gibt immer wieder Kinder, die wollen schon mit drei Jahren lesen lernen. Oder können schon vor der Einschulung mit so großen Zahlen rechnen, dass auch älteren Kinder der Kopf davon schwirren würde. Ich finde: Wenn Kinder etwas von sich aus wissen wollen, dann sollte man sie dabei unterstützen. Wenn ein Kind Hunger hat, bekommt es doch auch zu Essen. Wenn ein Kind Wissensdurst hat, sollte man sich immer bemühen, Wissen in kindgerechter Form zur Verfügung zu stellen und niemals dem Kind sagen, es sei noch zu klein dafür. Gerade die kleineren Geschwister lernen von den Großen so schnell so vieles. Und geschadet hat es meinen Kindern nicht. Ich war oftmals erstaunt, was Kinder schon in ganz jungen Jahren zu Stande bringen, wenn sie großen Kindern nacheifern.


Gute Lehrer können heute damit umgehen, dass sich Kinder nicht alle gleich schnell entwickeln. Daher ist es heute meist kein Problem mehr, wenn Kinder schon vor der Einschulung Dinge wissen, die eigentlich in den Schulunterricht gehören. Da haben sich zum Glück die Zeiten geändert.

Liebe Leser, wie seht ihr das? Könnt ihr meine Position nachvollziehen? Und worauf achtet ihr bei der Auswahl von Freizeitaktivitäten bei kleinen und auch größeren Kindern?






Kommentare :

  1. Liebe Cecilia,
    ich freue mich riesig, dass Du "mein" Thema aufgegriffen hast und ein absolut toller Artikel daraus wurde. Ich wünschte, mehr Mütter würden deine Einstellung zu diesem Thema teilen, denn dann hätten es sehr viele Kinder sehr viel leichter...
    Herzlichen Dank und ganz liebe Grüße

    Sabrina vom Babykeks-Blog

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  2. Liebe Sabrina,
    über deine Antwort habe ich mich auch riesig gefreut. Danke! Genauso freue ich mich, dass dir mein Artikel gefällt. Wenn der noch ein paar Eltern hilft, ihren Kindern den Start ins Leben zu erleichtern, dann habe ich mein Ziel erreicht.
    Viele herzliche Grüße zurück,
    Cecilia

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